Messdiener

Senioren-Messdiener - Ihr Credo heit Dienen

Artikel aus der WAZ und der Ruhrnachrichten vom 27.07.2008

Ihr Credo heißt Dienen

Castrop-Rauxel, 27.07.2008, Von Stefanie Wand

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Der Dienst am Altar ist ihnen ein Herzensanliegen: Die Senioren-Messdiener von St. Antonius wollen der Jugend keine Konkurrenz machen. (hg pressefotografie gbr)

 

Training haben sie nicht nötig. Ob das Schwenken der Weihrauchgefäße beim feierlichen Einzug in die Kirche, das lautlose Aufsetzen der Klingeln während der Wandlung oder das korrekte Reichen von Kelch und Hostienschale am Altar: Diese Aufgaben beherrschen die "Senioren"-Messdiener der Ickerner St. Antonius-Gemeinde aus dem Effeff. "Wer einmal gedient hat, der verlernt es nicht. Die lateinischen Gebete, die ich als Junge lernen musste, jedenfalls kann ich noch heute", lacht Alt-Ministrant Bernhard Vatterott (68).

Seit Oktober 2005 gibt es die zwölfköpfige Truppe wischen 37 und 72 Jahren, bestehend aus Heinz Bonn, Simon Gössmann, Markus Grzybowski, Andreas und Robert Mathis, Christoph Rodermond, Patrick und Dominik Schumann, Ludger und Markus Tomala, Bernhard Vatterott und Paul Wutke. "Damals haben wir Ältere uns gefragt, was wir für die Gemeinde machen könnten", erinnert sich Robert Mathis. Da fast alle in jungen Jahren einmal Ministranten gewesen waren, war die Antwort schnell gefunden. "Unseren jungen Kollegen Konkurrenz machen, das wollen wir jedoch keinesfalls. Ihnen zur Seite stehen allerdings sehr gerne", betont Robert Mathis.

"Für die jüngeren Messdiener der Gemeinde bedeute die Gruppe eine enorme Entlastung", so Pfarrer Zbigniew Szarata. 30 Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren sind zur Zeit in St. Antonius aktiv. Sie verstehen sich prima mit ihren großen Kollegen und freuen sich riesig, wenn sie gemeinsam dienen können. Für ihre jungen Kameraden springen die Älteren darüber hinaus immer dann in die Bresche, wenn diese verhindert sind wie etwa zur Ferienzeit, bei Messen in der Woche oder an dunklen Winterabenden.

Einzige Bedingung der Älteren übrigens: Keine Messdienerübungsstunden. Stattdessen sitzen sie nach Gottesdiensten gemütlich im Pfarrheim beisammen oder vergnügen sich beim jährlichen Ausflug, wie etwa auf dem Kanal-Ausflugsschiff "Santa Monika".Foto: Gödde/HG

 

Ruhrnachrichten vom  27. Juli 2008 von Christoph Witte

Antonius Messdiener "Alte Herren" Der älteste der Garde ist Heinz Bonn. Schon als "kleiner Bub" hat der 72-Jährige gedient. Als vor zweieinhalb Jahren Pfarrer Zbigniew Szarata die Idee hatte, ältere Gemeindemitglieder als Messdiener einzusetzen, war er sofort Feuer und Flamme. "Es ist doch ein Einfaches, wenn man sowieso zur Messe geht, dann auch zu dienen", findet der Senior. "Verlernt haben wir nämlich nichts."

Bernhard Vatterott (66), Paul Wutke (59), Günter Schlamminger (54), Markus Tomalla (43), Andreas Mathis (42), Markus Grzybowski (39) und Ludger Tomalla (37) komplettieren die Runde, ergänzen die knapp 28 jungen Messdiener der Gemeinde. "Wir wollen mit unserem Dienst die jüngeren Jungen und Mädchen unterstützen", erzählt Robert Mathis, "und auf keinen Fall verdrängen."

Keine Nervosität

Deswegen springen die älteren Herren auch nur ein, wenn Not am Mann ist. So wie jetzt während der Sommerferien oder in den Wintermonaten bei den Abendmessen. "Dann müssen die Kinder nicht im Dunkeln nach Hause gehen", sagt Pfarrer Zbigniew Szarata, "und für mich ist es viel schöner, nicht alleine vor der Gemeinde zu stehen."

Bei den Gemeindemitgliedern komme das ehrenamtliche Engagement der älteren Messdiener übrigens prima an, weiß Robert Mathis. "Außerdem ist es doch angenehm, wenn wir nicht nur rappelige, junge Kerle am Altar stehen haben", ergänzt Heinz Bonn. Schließlich ist von Nervosität bei dem Nonett keine Spur. Die Handgriffe sitzen; jeder kennt seinen Job. "Wir sprechen uns nur kurz vorher in der Sakristei ab, wer zum Beispiel bei der Gabenbereitung dabei ist, oder wer die Kollekte einsammelt", erklärt Küster Mathis. Froh sind die Herren jedoch, dass die Messe nicht mehr auf Latein gehalten wird. "Dann wären wir arm dran", lacht Mathis.

Stolperfallen

Probleme gab es nur im Kleiderschrank. Einige der älteren Messdiener haben sich über die Jahre ein Wohlstandsbäuchlein stehen lassen. Für sie wurden extra Gewänder geschneidert. Aber auch in der Messe lauern Stolperfallen. Denn neben Pfarrer Szarata, dem Leiter des Pfarrverbundes Nord, lesen auch Pater Jan Soroka, Pater Leslaw Ogryzek oder Pater Stanislaus die Messe in St. Antonius am Ickerner Marktplatz. Und jeder hat seine Eigenheiten. Robert Mathis: "Die einen wollen nach der Gabenbereitung das Handtuch gereicht haben, andere nicht. Da muss man höllisch aufpassen, dass man niemanden verdutzt."

Manchmal können die älteren Messdiener das Hochamt aber ein bisschen mitsteuern. "Wenn wir im Anschluss Fußball gucken wollen, scheuchen wir die jüngeren Pfarrer durchaus, mal etwas schneller zu machen", verrät der 61-Jährige.